Städtebauliche Lösung
Die Aufstockung des Gebäudes ändert die städtebauliche Struktur des Areals nur unwesentlich. Im Hinblick auf die umliegende Bebauung ist der Einfluss vernachlässigbar. Attraktive Grünbereiche, Bepflanzungen und Freibereiche, zur Wagnerstraße hin, schaffen mehr Intimität zur Straße. Sämtliche zusätzliche Stellplätze und wenig frequentierte Zu- und Ausgänge werden mit Rasengittersteinen unversiegelt befestigt.

Funktionale Lösung und Erschließung
Die Erschließung des Bestandsgebäudes bleibt unverändert. Der Aufzug wird innerhalb des bestehenden Erschließungskerns vorgeschlagen, da ein Aufzug im Mindestabstandsbereich zum Nachbarn nur bei bestehenden Gebäudeteilen baurechtlich möglich ist (nicht aber für die Aufstockung). Als Lösung für den zusätzlich nötigen Fluchtweg aus dem Dachgeschoß wird eine einläufige Außentreppe an der Nordfassade platziert. Da alle Räumlichkeiten des Bestandes innerhalb von 40 Metern einen direkten Ausgang ins Freie aufweisen, muss das bestehende Treppenhaus lediglich zur Aufstockung hin brandschutztechnisch abgetrennt werden und die Außentreppe nur im Dachgeschoß zugänglich sein. Die Brandschutztüren zur Halle können somit entfallen, was die Einbindung in den Unterrichtsalltag als Präsentationsfläche wesentlich verbessert.
Die Adaptierungen im Kellergeschoß entsprechen den Nutzvorgaben, lediglich die Garderoben- und Technikflächen wurden etwas großzügiger gestaltet, da hier mit erhöhten Anforderungen zu rechnen ist. An der Ostseite kann durch eine leichte Geländeveränderung die Belichtung des Werkraums wesentlich verbessert werden. Im Erd- und Obergeschoß werden nur geringfügige Anpassungen vorgenommen, um einen Umbau bei laufendem Betrieb zu ermöglichen.
Das neue Dachgeschoß wird intern über eine einläufige Treppe erschlossen. Bei den neu geschaffenen Räumen im Dachgeschoß wir auf größtmöglich Flexibilität gesetzt. Durch mobile Trennwände können alle Klassenräume mit der Halle verbunden werden.

Baukünstlerische Lösung
Das gesamte Dachgeschoß ist als leichte Holzkonstruktion konzipiert, die von Kleidungsstücken inspiriert wurde. Ein ineinander verwobenes Primär- und Sekundärtragwerk übernimmt sowohl die Stütz- als auch die Aussteifungsfunktion. Das sichtbare Dachfachwerk gipfelt in vier Dachgauben, die im Firstbereich reißverschlussartig ineinandergreifen. Die Holzkonstruktion schafft eine angenehme Atmosphäre im Innenraum und trägt zu einer besseren Akustik bei. Die Fensteröffnungen in den Dachgauben bringen zum einen Tageslicht in die zentralen Räumlichkeiten des Dachgeschoßes, zum zweiten sind sie ein essenzieller Bestandteil des Lüftungskonzepts. Ein dreiseitig umlaufendes Fensterband gliedert die Fassade in der Vertikalen, die vorgesetzte Konstruktion des Dachfachwerks ist passiver Sonnenschutz und Gestaltungselement in einem. Die Fassade und die Dachhaut übernehmen die Farbgestaltung des patinierten Kupfers aus dem Bestand. Farblich angepasste PV-Paneele sind Fassaden-, bzw. Dachintegriert geplant, um in keiner gestalterischen Konkurrenz zum restlichen Gebäude zu stehen.

Ökonomische und ökologische Lösung
Das Dachtragwerk wurde so konzipiert, dass ein Großteil der Lasten über die Außenwände bzw. linienförmig abgeleitet werden, um zusätzliche Stützen im Inneren des Bestandsgebäudes zu vermeiden. Auskragungen werden durch das Ergänzen von Wandpfeilern im Außenbereich wirtschaftlich abgefangen. Die geringen Spannweiten ermöglichen die Verwendung von KVH statt Leimholz und die Fachwerkskonstruktion kann mit zimmermannsmäßigen Verbindungen realisiert werden.
Die notwendige Verstärkung der Bestandsdecke zum Dachgeschoß ist als bauteilaktivierte Stahlbetondecke konzipiert und dient direkt als Fußbodenheizung.
Die Fensterpositionen und Laibungstiefen wurden mittels einer Klimasimulation optimiert, um einerseits einer Überhitzung im Frühling und Herbst vorzubeugen und andererseits in den kalten Monaten passive solare Erträge zu nutzen und die reale Heizlast weiter zu verringern.
Eine kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (zentral für das Dachgeschoß, dezentral und nachgerüstet für den Bestand) sorgt jederzeit für frische Luft in den Klassen und reduziert den Heizwärmebedarf deutlich.
Die vier Dachgauben, mit nordseitigen Kippfenstern wirken als Lüftungskamine und ermöglichen eine natürliche Wärmeableitung. Sie können vor allem über Nacht genutzt werden, um das Gebäude zu kühlen. Dadurch kann auf eine aktive technische Kühlung während des Schuljahres verzichtet werden.
Wenn möglich wird empfohlen auf Fernwärme zu setzen, da diese in naher Zukunft in Kitzbühel stark ausgebaut werden soll und wenig Technikflächen benötigt. Alternativ ist eine Grundwasser-Wärmepumpe zu bevorzugen, da der Schulbetrieb zum größeren Teil in die kälteren Monate fällt und Luftwärmepumpen hier weniger effizient sind. Die Warmwasserbereitung sollte dezentral mit direkt elektrisch beheizten UT-Boilern realisiert werden, da dadurch keinerlei Hygieneprobleme entstehen. Eine PV-Anlage an Fassade und Dach kann Strom für die Haustechnik und den Betrieb praktisch ganzjährig zur Verfügung stellen.
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